Warum PET beim 3D-Druck für Laboranwendungen oft besser ist als PETG
3D-gedruckte Bauteile sind im Labor längst keine Spielerei mehr.
Vom Halter für Messzylinder über Probenständer bis hin zu individuellen Adapterlösungen: Additive Fertigung ermöglicht schnelle, maßgeschneiderte Lösungen direkt am Arbeitsplatz.
Wenn es um das passende Material geht, greifen viele Anwender automatisch zu PETG. Es gilt als „einfach zu drucken“ und hat sich im Maker-Umfeld etabliert.
Doch gerade in Laborumgebungen kann ein anderes Material die bessere Wahl sein:
PET (Polyethylenterephthalat).
Tatsächlich bietet PET für viele Anwendungen im analytischen oder pharmazeutischen Labor mehrere Vorteile gegenüber PETG.
Chemische Beständigkeit: Ein unterschätzter Vorteil
In Laboren kommen regelmäßig Lösungsmittel zum Einsatz:
Ethanol
Methanol
Isopropanol
Acetonitril
Wasser
teilweise auch Aceton oder andere organische Lösungsmittel
PET besitzt von Natur aus eine sehr gute chemische Stabilität gegenüber Alkoholen und Wasser.
Diese Eigenschaften kennt man aus dem Alltag: PET wird seit Jahrzehnten für Getränkeflaschen verwendet.
Beim 3D-Druck bedeutet das:
geringere Quellung
geringere Spannungsrissbildung
bessere Langzeitstabilität bei wiederholtem Kontakt mit Lösungsmitteln
PETG hingegen enthält Glykol-Modifikationen, die das Material zwar druckfreundlicher machen, aber gleichzeitig die chemische Resistenz in bestimmten Fällen reduzieren können.
Für Laborhalterungen oder Probenständer, die regelmäßig gereinigt werden, kann PET daher langfristig stabiler bleiben.
PETG ist bewusst zäher formuliert, um Druckfehler zu vermeiden.
Das führt jedoch oft dazu, dass Bauteile leicht nachgeben oder sich unter Last minimal verformen.
Bei Laboranwendungen ist häufig das Gegenteil erwünscht:
stabile Auflageflächen
präzise Positionierung von Glasware
möglichst wenig Flexibilität
PET liefert hier oft die präzisere, steifere Struktur.
Temperatur- und Reinigungsbeständigkeit
Laborbauteile müssen häufig gereinigt werden – teilweise mit warmem Wasser oder Alkohol.
PET besitzt eine höhere Glasübergangstemperatur als PETG, was bedeutet:
geringere Verformung bei erhöhten Temperaturen
bessere Maßhaltigkeit nach Reinigung
Das ist besonders relevant für Bauteile wie:
Messzylinderhalterungen
Vial-Ständer
Labor-Organisationssysteme
Diese werden regelmäßig gereinigt oder desinfiziert.
Oberflächenqualität und Kontamination
Ein oft übersehener Punkt ist die Oberflächenstruktur.
PET neigt beim Druck zu:
glatteren Layerflächen
weniger klebrigen Oberflächen
geringerer Schmutzanhaftung
PETG dagegen kann leicht eine leicht gummiartige Oberfläche behalten, an der Staub oder Rückstände stärker haften.
Für Laborumgebungen, in denen Sauberkeit und Reinigbarkeit wichtig sind, ist PET daher häufig die angenehmere Wahl.
PET im Labor-3D-Druck: Praxisbeispiele
In unseren eigenen Anwendungen zeigt sich das besonders bei Laborhalterungen für Glasware.
Ein Beispiel sind unsere Messzylinderhalterungen, die speziell für stabile und platzsparende Organisation im Labor entwickelt wurden.
Hier spielt PET seine Vorteile aus:
hohe Formstabilität
gute chemische Resistenz gegenüber Alkoholreinigung
saubere, glatte Oberflächen
langlebige Bauteile auch bei häufiger Nutzung
Gerade bei funktionalen Laborbauteilen zählt nicht nur Druckbarkeit, sondern langfristige Stabilität im täglichen Einsatz.
Engineering-Materialien für anspruchsvolle Anwendungen
Für Anwendungen mit höheren mechanischen oder chemischen Anforderungen kann PET außerdem als Einstieg in eine ganze Klasse von Engineering-Materialien dienen.
Glasfaserverstärkte Varianten wie PET-GF bieten zusätzlich:
deutlich höhere Steifigkeit
verbesserte Dimensionsstabilität
geringere thermische Ausdehnung
Solche Materialien eignen sich besonders für:
funktionale Laborhalterungen
präzise Vorrichtungen
langlebige Werkstatt- und Laborwerkzeuge
Im Rahmen unseres Engineering Material Service testen und validieren wir diese Materialien gezielt für funktionale Anwendungen.
Fazit
PETG bleibt ein hervorragendes Allround-Material für viele 3D-Druckprojekte.
Doch gerade im Laborumfeld zeigt sich häufig:
PET kann die bessere Wahl sein.
Vor allem wenn folgende Eigenschaften wichtig sind:
gute chemische Beständigkeit
hohe Formstabilität
steife Bauteile
saubere Oberflächen
langlebige Funktionsteile
Für viele Labor-3D-Druckanwendungen lohnt es sich daher, PET zumindest als Alternative zu PETG in Betracht zu ziehen.